Wir lassen nicht nach!

Die zweite Mahnwache für die Opfer der Katastrophen in Japan und gegen Atomenergie hatte in Bayreuth bereits 500 Teilnehmer, bei der dritten Mahnwache am 28. März waren es 800. Das Merkel’sche Moratoriums-Manöver „Aussitzen bis nach den Landtagswahlen, dann weiter wie bisher“ hat keine Aussicht auf Erfolg.

Auf Wiedersehen am 4. April!

Mahnwache am La-Spezia-Platz, Abenddämmerung vor dem Gebäude der E-On

E-Off!

Advertisements

Aufgeschnappt: Brüderles Wahrheit

Oberfrankens CSU hat es nicht leicht. Erst kriegt sie die Frau Hohlmeier aufgedrückt und dann verliert sie einen Mann nach dem anderen. Nach dem Gutti hat es nun wieder den Schnappi erwischt. Allerdings musste der diesmal keinen Ministerposten räumen und keinen Abgeordnetensitz frei machen, sondern „nur“ eine gut dotierte Austragerposition bei der Industrielobby aufgeben. Und das nicht, weil er wieder mal einen Bär geschossen hätte oder gar weil seine Doktorarbeit irgendwem aufgefallen wäre. Obwohl die seine ja auch bei der Uni Bayreuth eingereicht wurde.  Und dass das Thema der Doktorarbeit ausgerechnet „Standortbestimmung bei Kernkraftwerken“ lautet, hätte man gewiss besser gar nicht erfinden können.

Denn in der Tat ist es die politische Standortbestimmung bei Kernkraftwerken, die den ehemaligen CSU-Minister diesmal zu Fall gebracht hat. Nicht seine, sondern die Standortbestimmung von Merkel und Brüderle. Letzterer hat zwar vor den versammelten BDI-Granden nicht mehr als das verraten, was sich eh jeder schon gedacht hatte: dass nämlich Merkels Moratorium nur ein Wahlkampfmanöver ist und dass es munter weitergehen kann mit den Atomkraft-Laufzeiten, wenn erst einmal die Landtagswahlen vorüber sind und die Stimmung sich etwas beruhigt hat.

Es war aber peinlicherweise die Wahrheit, die Brüderle da ausgesprochen hat. Und weil sonst nur Kinder und Narren die Wahrheit sagen, wollte Brüderle diesen Umstand wohl nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem auch noch der Rettungsversuch, alles zum „Protokollfehler“ zu erklären, allseits auf die Liste der zehn schlechtesten Ausreden gesetzt wurde, war der Ofen aus. So tat man also, was die Großen dieser Welt immer gerne tun, wenn ihnen eine Nachricht nicht gefällt: sie hängen den Boten.

Mahnwache für die Opfer der Katastrophen in Japan

Die schrecklichen Ereignisse in Japan am Freitag haben uns alle erschüttert. Was dort passiert ist, ist eine menschliche und ökologische Tragödie. Zu den Naturkatastrophen – Erdbeben und der darauffolgende Tsunami – kommt nun die anhaltende Gefahr eines nuklearen GAUs. Die Schreckensnachrichten reissen nicht ab. Im Gedenken an die Opfer und deren Angehörigen versammelten wir uns spontan am Montagabend am Sternplatz zu einer Mahnwache. Außerdem wollten wir ein Zeichen gegen die Kernkraft setzen. Wir fordern die Bundesregierung auf, die Laufzeitverlängerung sofort rückgängig zu machen und den Atomkonsens der rot-grünen Bundesregierung sofort wieder herzustellen. Ein Moratorium ist nicht genug – Aussetzen bedeutet Abwarten. Das reicht nicht! Die atomaren Katastrophen in Japan führen uns allen vor Augen, dass die Atomtechnologie ein nicht beherrschbares Risiko darstellt.

Es wurden zwei Mahnwachen organisiert. Eine von uns am Sternplatz, eine weitere vom Bund Naturschutz (BN) an der Spitalkirche. Es kamen so viele Menschen, dass wir beide Mahnwachen durch eine Menschenkette verbinden konnten. Auch Passanten halfen spontan mit, die Kette zu schließen, und reihten sich ein. Es ging mal laut zu, auch mal leise während zwei Schweigeminuten für die Opfer. Am Ende wanderten alle spontan zum E.ON-Gebäude am Luitpoldplatz. Während die „Großen“ lautstark den Ausstieg skandierten, malten die „Kleinsten“ mit bunter Kreide ihren Protest vor das Gebäude.

Nächsten Montag um 18 Uhr wollen wir uns wieder alle zu einer weiteren Mahnwache treffen. Informationen findet ihr hier, sobald Näheres feststeht.


Bildungskatastrophe 2011: Ist Bayreuth vorbereitet auf den doppelten Abiturjahrgang?

Teil 1: Die Betroffenen kommen zu Wort

bei einer Diskussionsveranstaltung des OV Innenstadt

Donnerstag, 31 März 2011, 20:00 Uhr

Gaststätte Kolb, Bayreuth – Wendelhöfen

mit Tim Pargent

Abiturient in Bayreuth und Sprecher des „Bündnisses Doppeljahrgang 2011“

und Maria Lampl

Elternbeirätin in Bayreuth und Landesvorsitzende des Bayrischen Elternverbandes

Mit der Einführung des verkürzten G8 war klar, dass es 2011 doppelt soviele Abiturienten geben würde wie sonst. Dass es wegen der ausgesetzten Wehrpflicht nochmal mehr geben würde, war noch nicht vorherzusehen. Schon eher vorherzusehen war es, dass die Versprechen der Staatsregierung, man werde sich rechtzeitig um das Problem kümmern, insbesondere Geld für mehr Studienplätze locker machen – leere Versprechen bleiben würden. Dabei sind die bayerischen Universitäten schon längst am Rande ihres Fassungsvermögens und andere Ausbildungsplätze gibt es bei Weitem nicht genügend.

Was bedeutet das für die Situation in Bayreuth? Informieren Sie sich und diskutieren Sie mit!

Dr. Remix, die Uni Bayreuth und Open Access: Transparenz für den Wissenschaftsbetrieb

Remix – das ist eine neue Kulturtechnik. Was liegt näher, als Schnipsel von im Internet verfügbaren Filmen, Fotos, Musikstücken, Texten zu nehmen, anders zu arrangieren (zu re-mixen) und so Neues daraus zu machen. Leider ist es nicht immer erlaubt.

In Doktorarbeiten jedenfalls müssen eigene Forschungsergebnisse drin sein, und damit man die auch erkennen kann, müssen fremde Gedanken als Zitate gekennzeichnet werden. Das weiß jeder Student und so steht es in jeder Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten. Und auch die Dopingärzte der Wissenschaft wissen es: die Ghostwriter, die gegen Bezahlung Doktorarbeiten für andere verfassen. Einen solchen Profi hatte Guttenberg für seine Remix-Doktorarbeit sicher nicht eingespannt.

Jetzt ist er zurückgetreten und wir nehmen Wetten darauf an, wie lange es dauern wird, bis uns die Bild-Zeitung sein groß aufgemachtes Comeback serviert. Bis dahin bitten wir, im Gedächtnis zu behalten, dass es genug andere Gründe gibt, sich kein solches Comeback zu wünschen: Da gab es im Sommer 2009 einen Wirbel um das zur Aufarbeitung der Finanzkrise wichtige “Gesetz zur Ergänzung des Kreditwesengesetzes” — schon vergessen? Eine britische Anwaltskanzlei, nicht das Ressort des damaligen Wirtschaftsministers Guttenberg hatte das Gesetz entworfen. Der Skandal auf der ‚Gorch Fock‘: Guttenberg warnte am Freitag vor vorschnellen Entscheidungen und ließ sich bereits am Samstag von der Bild-Zeitung vorschreiben, wen er sofort zu feuern habe. Die Selbstdarstellungsreise mit Ehefrau und TV-Moderator nach Afghanistan. Die „Aufklärung“ des Kundus-Vorfalls. Und … aber wir kommen vom Thema ab.

Auch die Uni Bayreuth muss sich ja noch immer fragen lassen: Hat man dem illustren Doktoranden aus dem elitären Seminar des Staatsrechtlers Peter Häberle einfach nur in blindem Vertrauen oder vielleicht mit zugekniffenen Augen die Bestnote überreicht? Dass Häberle selbst von den positiven wie negativen Möglichkeiten des World Wide Web keine Vorstellung hatte, mag man ja noch glauben. Was aber ist mit den anderen Gutachtern und Prüfern? Welche Rolle spielen Zuwendungen des  Rhön-Klinikums?  Wie kann die Uni weiterhin glaubwürdig ein Graduiertenkolleg mit dem Titel „Geistiges Eigentum und Gemeinfreiheit“ anbieten? Muss man sich zukünftig von der Seite anschauen lassen, wenn im Lebenslauf ein Doktortitel der Universität Bayreuth steht? — Dass sich auch der Verlag Duncker & Humblot, der die Dissertation für stolze 88 Euro pro Exemplar verkauft hat, nicht eben mit Ruhm bekleckert hat, was das Lektorat und die Qualitätssicherung angeht, macht es nicht besser.

Konsequenz aus der ganzen Affäre: Wir brauchen endlich Open Access. Das bedeutet übersetzt: „Freier Zugang zu wissenschaftlichen Materialien“ und heißt konkret: Doktorarbeiten und alle anderen Abschlussarbeiten vom Bachelor aufwärts müssen — ebenso wie andere Forschungsergebnisse — offen ins Netz gestellt werden.

Auch wenn die eigentlichen Gründe für die Forderung nach freiem Zugang andere sind: Er verhindert solche Skandale zuverlässig. Ein frei verfügbarer Text kann nicht lange unbemerkt aus anderen frei verfügbaren Texten abgeschrieben sein. Nur weil Guttenbergs Text als Buch 88 Euro kostete, hat ihn vor dem Skandal kaum jemand gelesen. 88 Euro, die der Verlag „für nichts“ eingesteckt hat, denn eine wissenschaftliche Überprüfung des Werks hatte ja offensichtlich nicht stattgefunden.

Die rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth könnte einen guten Teil ihres verlorenen Ansehens wieder gewinnen, wenn sie sich  für einen freien Zugang zu wissenschaftlichen Materialien einsetzt und mithilft, die noch offenen Rechtsfragen in diesem Gebiet zu erforschen.

Bayreuth auf dem richtigen Weg: SPD-Fraktion stimmt dem Haushalt 2011 zu.

Die SPD-Fraktion hat mit großer Mehrheit dem Haushalt 2011 der Stadt Bayreuth zugestimmt. Ausschlaggebend war dabei, dass zentralen Positionen der SPD in der Bildungs- und Kulturpolitik Rechnung getragen wurde: 5,4 Millionen Euro werden in Schulen investiert, darunter in einen Ergänzungsbau für die städtische Wirtschaftsschule.

Rechtzeitig für das Wagner-Doppeljubiläum 2013 werde das Richard-Wagner-Museum saniert und ein Erweiterungsbau geschaffen. Das Konzept der Fa. Maisel für ein Hoel mit integrierter Kongresshalle ermögliche es, die Stadthalle nach dem Jubiläumsjahr für einen reinen Theaterbetrieb zu sanieren und umzubauen.

Mit der BG-Fraktion ging SPD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Kern scharf ins Gericht: Er kritisierte die BG als rückwärtsgewandt; mit einer Blockade des Baus einer zusätzlichen Probebühne drohe sie, die Bayreuther Festspiele „in die Mittelmäßigkeit zu bürokratisieren“.

Den vollständigen Text der
Haushaltsrede 2011 gibt es hier als PDF.