Aufgefischt: Erst anmelden, dann …

Unser Beitrag zum „Tag gegen DRM“


Neulich, da war ich im Kino. Bei der Werbung vor dem Film, da muss ich eingeschlafen sein. Jedenfalls sah ich anstelle der „Raubkopierer-sind-echte-Helden“-Werbung einen jungen Mann und eine junge Frau in irgendeiner Bar der Welt beim Kennenlernen und aus dem Off kam eine Stimme, die irgendwo zwischen informativ-sachlich und weiblich-sinnlich zum Kinopublikum sprach:

4. Mai 2011 - Tag gegen DRMWenn Sie in einer Bar eine fremde Frau ansprechen, schulden Sie uns Lizenzgebühren für jeden Satz, den Sie ihr ins Ohr flüstern. Das ist nämlich von der gesetzlichen Freiheit der privaten Verwendung nicht umfasst: Schließlich gehört sie nicht zu Ihrem engsten Familienkreis. Noch nicht. Falls Sie sie dereinst heiraten sollten, dann können Sie ihr ohne Berechnung sagen, was Sie wollen — jedenfalls solange es kein anderer hören kann.

Mit Ihren eigenen Worten? — Sie haben keine eigenen Worte. Sie haben keinen eigenen Gedanken. Sie können keinen eigenen Gedanken haben. Alles ist schon einmal gedacht und geschrieben worden, von uns oder einem unserer Partnerunternehmen. Sie könnten unendlich viele Affen wild auf eine Tastatur eindreschen lassen; sie werden keinen Text erzeugen, für den wir nicht die Urheberrechte besitzen. Wir können das beweisen, denn wir haben dieses Verfahren patentiert.

„Sie sehen bezaubernd aus“ oder „Woher kenne ich Sie?“ kosten einen Euro; aber keine Frau, die auf sich hält, wird sich heute mit derart billigen Sätzen anbaggern lassen. Machen Sie mit Ihrem iKnow einen Scan von ihr und wir senden Ihnen für 8,99 Euro pro Satz eine maßgeschneiderte Konversation.

Schnitt. Das junge Paar aus der Anfangsszene verlässt die Bar, Arm in Arm. Die Stimme aus dem Off erklärt:

Falls Sie Erfolg haben, denken Sie rechtzeitig daran, unsere Bett-Flatrate zu buchen. Wir haben alle Rechte auf jede bekannte Stellung seit Oswalt Kolle und ohne die Flatrate müssten wir Ihnen jeden Positionswechsel einzeln berechnen.

Mit der Flatrate können Sie das alles abdecken.  Falls Sie allerdings katholisch sind und beim Verkehr verhüten, müssten wir noch einmal acht Prozent Kirchensteuer aufschlagen; dafür gilt dann aber die Absolution als erteilt.

Überblendung. Die junge Frau aus der ersten Szene. Sie ist schwanger.

Falls Sie nicht verhüten und ein Kind bekommen, wird schon bei der pränatalen Diagnostik das Genom analysiert und berechnet, welche Lizenzgebühren im Fall der erfolgreichen Geburt an die Patentinhaber abzuführen sind. Wenn Sie Glück haben, ist eine Rekombination dabei, die noch nicht patentiert ist; die können Sie verkaufen und so die Geburtskosten erheblich senken. Bei der ersten Lizenzerneuerung nach 30 Jahren muss der neue Erdenbürger dann allerdings „seine“ Neukombination mitbezahlen.

Ein Baby wird gezeigt. Es niest.

Gesundheit! Das Niesen ist von Hoffmann-LaCie als eingetragene Gesundheitsprozedur geschützt worden; falls Sie in der Öffentlichkeit niesen, müssen Sie uns je nach Jahreszeit zwischen einem und drei Euro bezahlen. Husten ist seit der letzten Grippeepidemie gemeinfrei und kostet nichts.

Das Baby lacht, strampelt ein bisschen und pupst schließlich, lange und laut. Dazu die Stimme:

Furzen in der Öffentlichkeit wird mit 1,99 Euro berechnet, allerdings sind 54 Cent davon keine Lizenzgebühren, sondern eine staatliche Klimaschutzabgabe.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen in unserer Welt des Totalen Geistigen Eigentums!

Aufgefischt: Neues aus dem Blaulichtkanal

Die soziale Lage der Bayreuther Rentnerinnen und Rentner ist angespannt. Um Ideen aber ist der Bayreuther nie verlegen. So erreichte uns z.B. folgende Zuschrift:


Zwecks Aufbesserung meiner Altersversorgung habe ich mich entschlossen auf dem Marktplatz eine Fahrradreifenwaschanlage zu eröffnen. Der Chef bedient Sie selbst. Terminabsprachen ab sofort per E-Mail. Probewaschen erfolgreich verlaufen siehe Musterbild.

Rentner badet Fahrrad im Bayreuther Blaulichtkanal

Fahrradwaschanlage als Nebenverdienst

Viele Grüße – auf ein sauberes Fahrrad.

Euer H.P.H (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt).

Aufgeschnappt: Brüderles Wahrheit

Oberfrankens CSU hat es nicht leicht. Erst kriegt sie die Frau Hohlmeier aufgedrückt und dann verliert sie einen Mann nach dem anderen. Nach dem Gutti hat es nun wieder den Schnappi erwischt. Allerdings musste der diesmal keinen Ministerposten räumen und keinen Abgeordnetensitz frei machen, sondern „nur“ eine gut dotierte Austragerposition bei der Industrielobby aufgeben. Und das nicht, weil er wieder mal einen Bär geschossen hätte oder gar weil seine Doktorarbeit irgendwem aufgefallen wäre. Obwohl die seine ja auch bei der Uni Bayreuth eingereicht wurde.  Und dass das Thema der Doktorarbeit ausgerechnet „Standortbestimmung bei Kernkraftwerken“ lautet, hätte man gewiss besser gar nicht erfinden können.

Denn in der Tat ist es die politische Standortbestimmung bei Kernkraftwerken, die den ehemaligen CSU-Minister diesmal zu Fall gebracht hat. Nicht seine, sondern die Standortbestimmung von Merkel und Brüderle. Letzterer hat zwar vor den versammelten BDI-Granden nicht mehr als das verraten, was sich eh jeder schon gedacht hatte: dass nämlich Merkels Moratorium nur ein Wahlkampfmanöver ist und dass es munter weitergehen kann mit den Atomkraft-Laufzeiten, wenn erst einmal die Landtagswahlen vorüber sind und die Stimmung sich etwas beruhigt hat.

Es war aber peinlicherweise die Wahrheit, die Brüderle da ausgesprochen hat. Und weil sonst nur Kinder und Narren die Wahrheit sagen, wollte Brüderle diesen Umstand wohl nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem auch noch der Rettungsversuch, alles zum „Protokollfehler“ zu erklären, allseits auf die Liste der zehn schlechtesten Ausreden gesetzt wurde, war der Ofen aus. So tat man also, was die Großen dieser Welt immer gerne tun, wenn ihnen eine Nachricht nicht gefällt: sie hängen den Boten.

Aufgefischt: Verlasst die Schweiz!

Die Schweizer haben ja etwas, was wir nicht haben. Nein, nicht von Schokolade oder Käse ist die Rede, sondern von bundesweiten Volksabstimmungen. In der Schweiz heißt das: Referendum. Viel beachtet war das Referendum, mit dem die Schweizer sich im November knapp (52,9% zu 47,1%) dafür entschieden haben, kriminell gewordene Ausländer automatisch auszuweisen, das heißt: ohne Einzelfallprüfung. Das soll nicht nur nach schweren Delikten gelten, sondern auch nach Verurteilungen wegen Schwarzarbeit oder Sozialbetrug. Eine klare Ansage: Kriminelle, verlasst die Schweiz!

Die genauere Umsetzung prüfen die Schweizer noch. Auch deshalb, weil die größte relevante Ausländergruppe aus deutschen Staatsangehörigen besteht, die in der Schweiz leben und arbeiten und die wegen Verträgen zwischen der EU und der Schweiz gar nicht so einfach automatisch hinausgetan werden dürften.
Das soll hier aber gar nicht weiter untersucht werden.

Viel interessanter ist, dass sich eine ganz andere Gruppe krimineller Ausländer betroffen zu fühlen scheint, die die Schweizer Volkspartei mit ihrem Referendumsantrag gar nicht gemeint hat: die Steuersünder nämlich, die ihr Schwarzgeld in der Schweiz geparkt haben. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, räumen sie gerade in Scharen ihre Konten ab. Kriminelle verlassen die Schweiz.

Das kann man doch gar nicht anders nennen als: vorauseilenden Gehorsam.

Aufgefischt: Die schwäbische Hausfrau

Die schwäbische Hausfrau wird immer wieder gern bemüht. Wann immer es ums Sparen geht, muss sie als Vorbild herhalten; landauf, landab, bis in die tiefste Uckermark. Selbst nach Baden dringt ihr Ruf, wo unser braver Finanzminister herkommt, der sie sich als Leitbild an die Wand gehängt hat.  Keine langen Vorreden mehr, schauen wir doch einmal hinein in den Alltag unserer vorbildlich sparsamen schwäbischen Hausfrau:

Sie hat eine echt schwäbische Familie, also schafft ihr Mann beim Daimler. Verkauft der Daimler keine Autos, dann arbeitet der Mann kurz oder wird gar ausgestellt. Die schwäbische Hausfrau kauft aber keinen Daimler, denn sie muss ja sparen. All die Hausfrauen im restlichen Deutschland, bis in die tiefste Uckermark, haben sich ein Beispiel genommen, sparen und bewilligen ihrem Familienetat auch keinen Daimler. Weil der Daimler derweilen auch weniger Zulieferteile aus der Uckermark braucht, bringen die Männer dort ja auch weniger Geld nach Hause. Da fragt sich die schwäbische Hausfrau schon, wo das Geld zum Sparen herkommen soll?

Kein Problem, sagt die uckermärkische Hausfrau: Die Männer verdienen zwar weniger, dafür aber kann der Daimler die Autos besser ins Ausland verkaufen. Die schottische Hausfrau jedoch winkt ab: auch dort wird gespart.

Alle Hoffnungen ruhen nun auf der griechischen Hausfrau. Die kündigt an, für ihre ganze Familie Daimler-Autos kaufen zu wollen. Großer Jubel, aber dann stellt sich heraus: Die griechische Hausfrau kauft die Autos nur, wenn die schwäbische und die uckermärkische Hausfrau ihr das Geld dafür leihen. Sie selbst hat nämlich keines.

Kein Geld hat auch die amerikanische Hausfrau. Dafür kennt sie ein paar smarte Typen, die ihr Geld ohne Sicherheit leihen. Aus den Schuldscheinen kleben die smarten Typen bunte Bilder, die sie der Hypo andrehen. Das Geld dafür leiht sich die Hypo vom Ackermann.  Als die Sache auffliegt, überredet der Ackermann unsere uckermärkische Hausfrau, ihren Sparstrumpf dranzugeben, um die Hypo zu retten. Schlau gemacht, denn sonst wäre auch sein Geld weg. So ist es unseres.

Jetzt sind zwar ein paar Daimler verkauft, aber das gesparte Geld unserer uckermärkischen Hausfrau, das ist weg. Allenfalls die smarten Typen aus Amerika und der Ackermann haben noch welches. Es sieht ganz so aus, als sei die schwäbische Hausfrau überhaupt kein großes Vorbild.

Aber halt: Die schwäbische Hausfrau ist viel klüger als ihr Ruf! Der schwäbische Dreiklang lautet eben nicht einfach „Sparen, Sparen, Sparen“ sondern: „Schaffen, Sparen, Häusle bauen“. Die schwäbische Hausfrau spart nicht als Selbstzweck, sie will, dass daraus einmal etwas wird. Auf den Staatshaushalt übersetzt heißt „Häusle bauen“: öffentliche Investitionen. Schulen bauen und Kindergärten, Kanäle reparieren und Bahnstrecken, Solardächer fördern und dafür sorgen, dass die Kinder etwas lernen. Dafür spart die schwäbische Hausfrau gern. Erklärte man ihr aber, dass ihr Sparstrumpf ausgeschüttet werden muss, damit großkopfete Banker weiter ihre Boni kassieren dürfen — dann bekäme man von der schwäbischen Hausfrau etwas zu hören! Da bekäme wohl selbst das Herrgöttle von Biberbach feuerrote Ohren.

Wir brauchen wirklich mehr schwäbische Hausfrauen.