Ist Bayreuth vorbereitet auf den Doppelten Abiturjahrgang? Teil 2: Wohnen und Infrastruktur am Donnerstag, 12. Mai 2011, 20:00 Uhr, Gaststätte Kolb

Der zweite Teil unserer Veranstaltungsreihe befasst sich mit der Wohnungssituation in Bayreuth und den Anforderungen an die städtische Infrastruktur, insbesondere den öffentlichen Personennahverkehr.

Wir diskutieren diese Probleme zusammen mit unserem Stadtrat Halil Tasdelen und VertreterInnen der Juso-Hochschulgruppe. Gespannt sein darf man außerdem auf authentische Erfahrungsberichte von der Wohnungssuche.

Kommen Sie, informieren Sie sich, diskutieren Sie mit — und: wenn Sie ein freies Zimmer haben, vermieten Sie es!

„Drei Jahrgänge werden komplett verarscht“

Ist Bayreuth vorbereitet auf den doppelten Abiturjahrgang 2011? — Diese Frage stellten wir uns zusammen mit Maria Lampl (Vorsitzende des Bayrischen Elternverbands, Elternbeiratsvorsitzende des MWG) und Tim Pargent (Sprecher der Initiative „Bildungskatastrophe 2011“ und Jahrgangsstufensprecher Q12 am GCE).

Die Antwort fällt schlimmer aus, als wir dachten: Studienplätze, Lehrpersonal, Geld, Wohnungen — es fehlt an Allem. Und es ist auch nicht nur eine einmalige Situation im Jahr 2011: in vielen anderen Bundesländern wirkt sich die G8-Umstellung in den Jahren 2012 und 2013 aus, so dass wenigstens drei Jahre lang „Land unter“ angesagt ist.

Maria Lampl und Tim Pargent

Maria Lampl und Tim Pargent berichteten von den Sorgen der Schüler und der Eltern

„Seit sieben Jahren musste der Staatsregierung klar sein, dass der letzte G9-Jahrgang und der erste G8-Jahrgang gleichzeitig fertig werden. Was nicht fertig wird, sind die viel zu spät begonnenen Baumaßnahmen an den Universitäten.“ Die seinerzeit versprochenen Geldmittel für Lehrpersonal und Ausbau der Uni habe die Staatsregierung nicht bereitgestellt, beklagte Tim Pargent. Gleichzeitig machte er deutlich, dass das Problem 2011 mit dem ersten G8-Jahrgang in Bayern und Niedersachsen nicht beendet sein werde: 2012 folgten Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen und Berlin; 2013 schließlich Hessen und Nordrhein-Westfalen. Dabei seien die Universitäten bereits überfüllt und hätten sich auch von der unausgegorenen Bologna-Reform noch nicht erholt. Drei Jahrgänge von Schülern, so Pargent, würden so zu Experimentierobjekten gemacht und im Ergebnis komplett verarscht. Das sei auch nicht allein ein Problem der Abiturienten: Andere Ausbildungsplätze gebe es ja auch nicht genügend; wenn Abiturienten wegen der Studiensituation kein Studium beginnen könnten oder wollten, fände auch auf dem restlichen Ausbildungsmarkt ein Verdrängungswettbewerb statt.

Maria Lampl rechnete vor, dass im Wintersemester 2011 an der Universität Bayreuth bis zu 6.500 (statt 2.500) Erstsemester ihr Studium beginnen werden: Das bedeute überfüllte Hörsäle, zu knappe Plätze in Kursen, verlängerte Studienzeiten, kurz: unzumutbare Bedingungen und erhöhte finanzielle Belastungen für die Eltern. Auch sei nicht klar, wo die zusätzlich erwarteten Studentinnen und Studenten wohnen sollten. Lediglich 350 Wohnheimplätze seien neu geschaffen worden. Maria Lampl richtete deshalb einen Appell an alle Bayreuther, ungenutzte Wohnungen oder Zimmer zu vermieten. Sie wies auch auf das Problem hin, dass viele der neu kommenden G8-Abiturienten bis zu zwei Jahre jünger und damit unselbständiger sein werden als bisherige Erstsemester nach G9 und Wehr- oder Zivildienst: „Einige sind dann noch nicht einmal 18, da muss die Mutter bei der Immatrikulation dabei sein — wissen das die Professoren?“ Professoren und Lehrpersonal müssten sich auf diese Bedingungen einstellen, seien sich aber bisher noch nicht einmal klar, dass sie eintreten werden.

Auch die Möglichkeit, dass G9-Absolventen das Studium bereits im Sommersemester beginnen können, bringt keine Entlastung: Die Uni Bayreuth hat zwar erstmals das Fach Jura für einen Beginn im Sommersemester geöffnet, es ist aber nicht klar, ob dann tatsächlich alle notwendigen Kurse in jedem Semester angeboten werden können damit die Studierenden am Ende nicht ein Semester verlieren. Dennoch liegt bereits jetzt die Zahl der Anmeldungen bei 350 — und die G9-Absolventen sind noch gar nicht dabei, denn die kommen erst Anfang Mai hinzu.


Wir planen eine Folgeveranstaltung: Ist Bayreuth vorbereitet auf den doppelten Abiturjahrgang 2011? — Teil 2: Wohnungssituation. Näheres in Kürze hier.

 

Bildungskatastrophe 2011: Ist Bayreuth vorbereitet auf den doppelten Abiturjahrgang?

Teil 1: Die Betroffenen kommen zu Wort

bei einer Diskussionsveranstaltung des OV Innenstadt

Donnerstag, 31 März 2011, 20:00 Uhr

Gaststätte Kolb, Bayreuth – Wendelhöfen

mit Tim Pargent

Abiturient in Bayreuth und Sprecher des „Bündnisses Doppeljahrgang 2011“

und Maria Lampl

Elternbeirätin in Bayreuth und Landesvorsitzende des Bayrischen Elternverbandes

Mit der Einführung des verkürzten G8 war klar, dass es 2011 doppelt soviele Abiturienten geben würde wie sonst. Dass es wegen der ausgesetzten Wehrpflicht nochmal mehr geben würde, war noch nicht vorherzusehen. Schon eher vorherzusehen war es, dass die Versprechen der Staatsregierung, man werde sich rechtzeitig um das Problem kümmern, insbesondere Geld für mehr Studienplätze locker machen – leere Versprechen bleiben würden. Dabei sind die bayerischen Universitäten schon längst am Rande ihres Fassungsvermögens und andere Ausbildungsplätze gibt es bei Weitem nicht genügend.

Was bedeutet das für die Situation in Bayreuth? Informieren Sie sich und diskutieren Sie mit!

Dr. Remix, die Uni Bayreuth und Open Access: Transparenz für den Wissenschaftsbetrieb

Remix – das ist eine neue Kulturtechnik. Was liegt näher, als Schnipsel von im Internet verfügbaren Filmen, Fotos, Musikstücken, Texten zu nehmen, anders zu arrangieren (zu re-mixen) und so Neues daraus zu machen. Leider ist es nicht immer erlaubt.

In Doktorarbeiten jedenfalls müssen eigene Forschungsergebnisse drin sein, und damit man die auch erkennen kann, müssen fremde Gedanken als Zitate gekennzeichnet werden. Das weiß jeder Student und so steht es in jeder Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten. Und auch die Dopingärzte der Wissenschaft wissen es: die Ghostwriter, die gegen Bezahlung Doktorarbeiten für andere verfassen. Einen solchen Profi hatte Guttenberg für seine Remix-Doktorarbeit sicher nicht eingespannt.

Jetzt ist er zurückgetreten und wir nehmen Wetten darauf an, wie lange es dauern wird, bis uns die Bild-Zeitung sein groß aufgemachtes Comeback serviert. Bis dahin bitten wir, im Gedächtnis zu behalten, dass es genug andere Gründe gibt, sich kein solches Comeback zu wünschen: Da gab es im Sommer 2009 einen Wirbel um das zur Aufarbeitung der Finanzkrise wichtige “Gesetz zur Ergänzung des Kreditwesengesetzes” — schon vergessen? Eine britische Anwaltskanzlei, nicht das Ressort des damaligen Wirtschaftsministers Guttenberg hatte das Gesetz entworfen. Der Skandal auf der ‚Gorch Fock‘: Guttenberg warnte am Freitag vor vorschnellen Entscheidungen und ließ sich bereits am Samstag von der Bild-Zeitung vorschreiben, wen er sofort zu feuern habe. Die Selbstdarstellungsreise mit Ehefrau und TV-Moderator nach Afghanistan. Die „Aufklärung“ des Kundus-Vorfalls. Und … aber wir kommen vom Thema ab.

Auch die Uni Bayreuth muss sich ja noch immer fragen lassen: Hat man dem illustren Doktoranden aus dem elitären Seminar des Staatsrechtlers Peter Häberle einfach nur in blindem Vertrauen oder vielleicht mit zugekniffenen Augen die Bestnote überreicht? Dass Häberle selbst von den positiven wie negativen Möglichkeiten des World Wide Web keine Vorstellung hatte, mag man ja noch glauben. Was aber ist mit den anderen Gutachtern und Prüfern? Welche Rolle spielen Zuwendungen des  Rhön-Klinikums?  Wie kann die Uni weiterhin glaubwürdig ein Graduiertenkolleg mit dem Titel „Geistiges Eigentum und Gemeinfreiheit“ anbieten? Muss man sich zukünftig von der Seite anschauen lassen, wenn im Lebenslauf ein Doktortitel der Universität Bayreuth steht? — Dass sich auch der Verlag Duncker & Humblot, der die Dissertation für stolze 88 Euro pro Exemplar verkauft hat, nicht eben mit Ruhm bekleckert hat, was das Lektorat und die Qualitätssicherung angeht, macht es nicht besser.

Konsequenz aus der ganzen Affäre: Wir brauchen endlich Open Access. Das bedeutet übersetzt: „Freier Zugang zu wissenschaftlichen Materialien“ und heißt konkret: Doktorarbeiten und alle anderen Abschlussarbeiten vom Bachelor aufwärts müssen — ebenso wie andere Forschungsergebnisse — offen ins Netz gestellt werden.

Auch wenn die eigentlichen Gründe für die Forderung nach freiem Zugang andere sind: Er verhindert solche Skandale zuverlässig. Ein frei verfügbarer Text kann nicht lange unbemerkt aus anderen frei verfügbaren Texten abgeschrieben sein. Nur weil Guttenbergs Text als Buch 88 Euro kostete, hat ihn vor dem Skandal kaum jemand gelesen. 88 Euro, die der Verlag „für nichts“ eingesteckt hat, denn eine wissenschaftliche Überprüfung des Werks hatte ja offensichtlich nicht stattgefunden.

Die rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Bayreuth könnte einen guten Teil ihres verlorenen Ansehens wieder gewinnen, wenn sie sich  für einen freien Zugang zu wissenschaftlichen Materialien einsetzt und mithilft, die noch offenen Rechtsfragen in diesem Gebiet zu erforschen.

Starterpakete zum Schulanfang

Namenspatron Johann Baptist Graser

In dieser Woche beginnt für viele Kinder der Ernst des Lebens: Sie freuen sich auf das Abenteuer Schule. In vielen Familien aber ist diese Woche auch mit einer großen finanziellen Belastung verbunden: Die Kinder brauchen Hefte, Stifte, Malkasten, Pinsel, Tonpapier, Turnhosen und vieles mehr, das zusammengenommen viel Geld kostet. Mehr Geld, als Familien oder alleinerziehende Elternteile aufgrund beruflicher oder familiärer Umstände nur mit Mühe, oft auch gar nicht aufbringen können.

Mit 12 Starterpaketen und Gutscheinen für benachteiligte Kinder im Wert von 1.100,- Euro unterstützt der SPD-Ortsverein Innenstadt die Bayreuther Graserschule. Hannaleena Pöhler und Michaela Hoppe übergaben das Ergebnis unserer Schulanfangsaktion an die Schulrektorin Katharina John. Die Erstausstattungspakete werden nach Bedarf von der Schulleitung der Graserschule vergeben.