Aufgeschnappt: Brüderles Wahrheit

Oberfrankens CSU hat es nicht leicht. Erst kriegt sie die Frau Hohlmeier aufgedrückt und dann verliert sie einen Mann nach dem anderen. Nach dem Gutti hat es nun wieder den Schnappi erwischt. Allerdings musste der diesmal keinen Ministerposten räumen und keinen Abgeordnetensitz frei machen, sondern „nur“ eine gut dotierte Austragerposition bei der Industrielobby aufgeben. Und das nicht, weil er wieder mal einen Bär geschossen hätte oder gar weil seine Doktorarbeit irgendwem aufgefallen wäre. Obwohl die seine ja auch bei der Uni Bayreuth eingereicht wurde.  Und dass das Thema der Doktorarbeit ausgerechnet „Standortbestimmung bei Kernkraftwerken“ lautet, hätte man gewiss besser gar nicht erfinden können.

Denn in der Tat ist es die politische Standortbestimmung bei Kernkraftwerken, die den ehemaligen CSU-Minister diesmal zu Fall gebracht hat. Nicht seine, sondern die Standortbestimmung von Merkel und Brüderle. Letzterer hat zwar vor den versammelten BDI-Granden nicht mehr als das verraten, was sich eh jeder schon gedacht hatte: dass nämlich Merkels Moratorium nur ein Wahlkampfmanöver ist und dass es munter weitergehen kann mit den Atomkraft-Laufzeiten, wenn erst einmal die Landtagswahlen vorüber sind und die Stimmung sich etwas beruhigt hat.

Es war aber peinlicherweise die Wahrheit, die Brüderle da ausgesprochen hat. Und weil sonst nur Kinder und Narren die Wahrheit sagen, wollte Brüderle diesen Umstand wohl nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem auch noch der Rettungsversuch, alles zum „Protokollfehler“ zu erklären, allseits auf die Liste der zehn schlechtesten Ausreden gesetzt wurde, war der Ofen aus. So tat man also, was die Großen dieser Welt immer gerne tun, wenn ihnen eine Nachricht nicht gefällt: sie hängen den Boten.