Kontrapunkt: Warum der Beschluss des Zukunftsrates als Chance gesehen werden muss, nicht als Affront.

Beschluss und Zusammensetzung des Zukunftsrats der Staatsregierung sind der oberfränkischen SPD eine Petition wert. Es könnte aber auch eine andere Sichtweise geben. Ein Kontrapunkt.


Nach Meinung des Zukunftsrates handelt es sich bei der Region Oberfranken um ein Auslaufmodell, dessen Förderung gezielt in eine Richtung statt zu finden hat: Rückbezug auf die Natur, Förderung des Tourismus.

Die Gründe dafür sind einfach aufzutun. Besonders der Bevölkerungsrückgang, eine fehlende Wirtschaftskraft und die allgemeine Verstädterung können hier angeführt werden. Und damit liegt der Zukunftsrat richtig. Der Bevölkerungsrückgang ist ein gesamtdeutsches Problem. Die fehlende Wirtschaftskraft hat vielfältige Ursachen (fehlende Infrastruktur, fehlende Fachkräfte, falsche Zukunftsplanung), wird aber keinesfalls in den nächsten Jahrzehnten rückgängig gemacht werden können. Wer hier anderer Meinung ist, soll bitte erklären, warum dies, obwohl bekannt seit den 80er Jahren oder noch länger, nicht geschehen ist. Die Verstädterung ist ein weltweites Phänomen, das in Indien, den USA und in Europa zu beobachten ist.

Radfahrer im Wiesenttal

Zurück zur Natur und Orientierung auf den Tourismus: Oberfrankens Zukunft?

Bei diesen Punkten dem Zukunftsrat zu widersprechen erscheint grotesk. Niemand wird behaupten wollen, die Region Oberfranken könne den Geburtenrückgang stoppen oder die Verstädterung. Selbst Versuche, Bauland an junge Familien quasi zu verschenken waren hier wenig erfolgreich. Bleiben noch die entgegen dem Zukunftsrat geforderten Infrastrukturmaßnahmen. Und hieran knüpft sich nun die große Frage: Ja, welche denn? Welche Infrastruktur für welche Art von Unternehmen? Der Ausbau von Infrastruktur wird nur über einen Gesamtplan für die Region erfolgen können. Dieser müsste dann aufzeigen, wie Unternehmen und damit Arbeitsplätze in die Region geholt werden könnten. Gibt es den? Wo ist her? Wer hat ihn erstellt? Welche Firmen zeigen Interesse und warum hat sich der Zukunftsrat nicht davon überzeugen lassen? Statt reflexhaft auf die Besetzung des Zukunftsrates zu zeigen, sollte man sich besser fragen, warum man mit seinen eigenen Ideen nicht überzeugen konnte. Falls man denn welche hatte. (Wobei sich daran die Frage anschließt: warum war denn kein Oberfranke in diesem Gremium?)

Außerdem sollte doch jedem klar sein, dass dieses Mit-dem-Finger-auf-die-„bösen“-Oberbayern-Zeigen noch keinen einzigen Arbeitsplatz, noch kein einziges Kind, noch kein einziges Glasfaserkabel für V-DSL nach Oberfranken gebracht hat. Vielleicht könnte man es ja sogar als kontraproduktiv betrachten, sofort ohne selbst irgendeine Idee vorzubringen, das Ergebnis des Zukunftsrates in Frage zu stellen, ja als inakzeptabel zu bezeichnen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Argumenten des Zukunftsrates möchte man damit wohl umgehen und sich dieser nicht aussetzen.

Was aber nun? Licht aus und Gute Nacht, Oberfranken? Teilweise wird das Ergebnis des Zukunftsrates so dargestellt. Aber das Ergebnis des Zukunftsrates ist anders, es ist als Chance zu verstehen. Als Chance, dem Vorschlag zu folgen und auf Renaturierung und Tourismus zu setzen. Dies stellt nämlich immerhin einen Vorschlag dar. Die einseitige Ablehnung mit: „Danke nein, ihr Oberbayern!“ ist kein Vorschlag, nicht mal eine Chance. Es ist auch die Möglichkeit die Regierung und ihren Zukunftsrat in die Pflicht zu nehmen und zu sagen: Wir machen das! Dann gebt uns jetzt dazu die Mittel, die Infrastruktur für den Tourismus auszubauen, die Renaturierung voranzutreiben und so wieder Arbeitsplätze in die Region zu holen. Man sollte die Chance nutzen, bevor vielleicht jemand wirklich das Licht zum letzten Mal ausmacht. Oder hat jemand doch den großen Masterplan in der Tasche?